Der ruhelose Geist

Burg Taufers hat eine lange Gruselgeschichte. Seit ihrer Errichtung zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde sie von vielen Geschichtenerzählern und Filmemachern heimgesucht, die in ihren dunklen Gängen und verwinkelten Kammern Inspirationen für langanhaltende Gänsehauterlebnisse fanden.

Der vielleicht älteste überlieferte Schauer handelt von Margarethe. Die Tochter des Schlossherren von Taufers verliebt sich der Legende nach Ende des 15. Jahrhunderts in den Burghauptmann. Den Vater auf einem Kreuzzug wissend, entscheidet das Burgfräulein alleine, den Geliebten zum Manne zu nehmen. Sie setzt ihren Heiratswunsch durch, obwohl der Firstbischof zu Brixen, ihr Onkel und Vormund, keinen Gefallen an ihrem Entschluss findet. Unmittelbar vor der Trauung trifft den Bräutigam ein vergifteter Pfeil und er stirbt in ihren Armen. Sofort darauf stürzt Margarethe in ihre Gemächer und schliesst sich ein. Tagelang starrt sie nun hinein die Wälder, hinauf auf die beschneiten Berggipfel und hinüber in das Grün des weiten Tales auf der Suche nach ihrem Geliebten. Noch heute, so erzählt der Schlossführer, kehrt ihr Geist in jene Kammer zurück, die das Tal überwacht und wandert ruhelos durch das Schloss, das ihr Bräutigam vor dem Einfall der Feinde zu bewahren hatte. Und in der alten Kapelle, der Städte des grausamen Todes, rastet ihr Geist, um zu beten.

 
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