Meuchelmord am Stilfser Joch

Wir schreiben das Jahr 1876. Am 15. Juli treffen Henry und Madeleine Tourville aus London in Spondinig bei Schluderns im Vinschgau ein. Das Ehepaar aus London will die Natur genießen und unternimmt bereits am nächsten Tag einen Ausflug ans Stilfser Joch. Doch nur Henry kehrt Stunden später zurück. Offenbar verwirrt, ergeht er sich in hanebüchenen Erklärungen. Seine Gattin sei abgestürzt, stammelt er zunächst. Später behauptet er, sie habe versucht, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen.

Lug und Trug, wie sich während des Schwurgerichtsprozesses in Bozen ein Jahr darauf herausstellt. Knapp unterhalb der Franzanshöhe, so ergeben Zeugenaussagen und Indizien am Unfallort, muss Henry seine unglücksselige Gattin absichtlich in den Tod gestürzt haben. Ein Meuchelmord - und nicht sein erster. Denn das, was sich im Laufe des Prozesses in der Südtiroler Landeshauptstadt nach und nach herausstellt, ist ein wahres Filetstück für Kriminologen. Henry Tourville, der eigentlich den Namen Perreau trägt, hat nämlich bereits Jahre zuvor seine erste Frau und deren Mutter beseitigt, um an das Vermögen ihrer Familie zu gelangen.

Die Weltpresse belagert Bozen während der zehn Prozesstage und sorgt so für die vielleicht erste PR-Kampagne Südtirols. Denn nach Henrys Verurteilung und dessen Tod durch den Strang besuchen besonders viele Engländer mit Ihren Gattinnen die Gegend, zum Urlauben, Erholen, zum Bergsteigen – und vielleicht zum gruseligen Nachschauern.

 
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