Nazi-Geiseln am Pragser Wildsee

Europa liegt in Trümmern, das Ende des Zweiten Weltkriegs naht.

Am 24. April 1945 exekutiert ein SS-Sonderkommando einen Befehl von höchster Stelle: Es gilt Insassen des KZ Dachau bei München gen Süden zu transportieren. Ein besonderer Auftrag, denn es sind besondere Insassen: persönliche und politische Feinde des Hitler-Regimes. Angehörige der Familie des Obersten Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Dr. Hjalmar Schacht, früherer Reichwirtschaftsminister und Mitverschörer der Bewegung um den 20. Juli 1944 sowie rund 130 weitere „Sippen- und Sonderhäftlinge“, bis in die höchsten Ebenen von Politik, Militär und Kirche.

Mit Bussen und Lastwagen geht es über Innsbruck ins Hochpustertal, zum Hotel Pragser Wildsee bei Niederdorf. Dort will Ernst Kaltenbrunner, Chef des Reichssicherheitshauptamtes die Häftlinge als Geiseln für Verhandlungen mit den Alliierten nutzen - oder umbringen lassen.

Vor Ort führt Hauptmann Wichard von Alvensleben die Stabskompanie des »Oberbefehlshabers Südwest«. Sobald er von der Ankunft des Geiseltransports erfährt, entsendet er einen Stoßtrupp los, der das SS-Kommando  überwachen und eigenmächtige Handlungen verhindern soll. Pfarrer Martin Niemöller, einer der führenden Männer der bekennenden Kirche im Dritten Reich und ebenfalls Geisel des SS-Kommandos, erinnert sich später, dass von Alvensleben zudem Verstärkung durch eine ganze Kompanie bekommen und das Bewachungs-Kommando gezwungen habe, „auf Lastwagen zu steigen und abzufahren“. Damit hat Alvensleben allen Geiseln das Leben gerettet.

 
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