Steuerliche Rahmenbedingungen bei Dreharbeiten in Italien

Auf dieser Seite finden Sie eine Zusammenfassung der häufigsten Fragen im Bereich Steuern, die bei Dreharbeiten in Italien auftreten können.
Falls Sie zusätzliche Fragen haben, oder Detailinformationen zu gewissen Thematiken benötigen, kontaktieren Sie uns gerne.

1. Was unterliegt in Italien der Mehrwertsteuer?
2. Welche Mehrwertsteuersätze werden in Italien angewandt?

3. Welche MwSt. Regel tritt in Kraft, wenn eine ausländische Produktionsfirma (EU) in Italien dreht und in Italien dafür Waren und Dienstleistungen einkauft?
4. Kann die ausländische Produktionsfirma (EU) die bezahlte MwSt. zurückfordern?
5. Die MwSt. Verrechnung bei Kooperation mit einem italienischen Partner, z.B. Service-Produzenten.
6. Welches sind - außer der Kooperation mit einem italienischen Service-Produzenten oder dem direkten Einkauf der Leistungen - die Alternativen für die ausländische Produktionsfirma?
7. Was ist Intrastat und wann muss eine Intrastat Meldung gemacht werden?
8. Welcher Unterschied besteht zwischen einem Kassenbeleg („scontrino“) und einer Rechnung?
9. Gibt es Umstände, unter welchen eine ausländische Produktionsfirma bei Dreharbeiten in Italien eine italienische Betriebsstätte einrichten muss?

1. Was unterliegt in Italien der Mehrwertsteuer?

Erträge aus Lieferungen und Leistungen, die in Ausübung einer beruflichen- oder Unternehmenstätigkeit auf dem italienischen Staatsgebiet erwirtschaftet werden, sowie Importe aus dem Ausland unterliegen in der Regel der italienischen Mehrwertsteuer (IVA - imposta sul valore aggiunto). Grundlage für die Anwendung der Mehrwertsteuer ist die Ausübung einer Berufs- oder Unternehmenstätigkeit.

Gelegentliche Arbeitsleistungen sind nicht der MwSt. unterworfen. Eine Leistung ist erst dann der MwSt. unterworfen, wenn sie von der betreffenden Person als Tätigkeit geschäftsmäßig und fortlaufend ausgeübt wird.

2. Welche Mehrwertsteuersätze werden in Italien angewandt?

Der Mwst. Regelsatz beträgt in Italien derzeit 22%. Auf einzelne Warengruppen und Dienstleistungen ist ein ermäßigter Steuersatz von 4% bzw. 10% vorgesehen. Der 4%ige Steuersatz wird unter anderem auf Grundnahrungsmittel, Zeitschriften, Bücher, erhoben. 10% werden u.a. auf Lebensmittel, Medizinen, Personentransporte, Hotel- und Restaurantleistungen, berechnet. Darüber hinaus sieht das Mehrwertsteuergesetz steuerfreie Leistungen vor (Geldverkehr, Kreditgeschäfte, Vermietungen, medizinische und didaktische Leistungen u.s.f.) und Leistungen, die außerhalb des Umsatzsteuerbereiches liegen.

3. Welche MwSt. Regel tritt in Kraft, wenn eine ausländische Produktionsfirma (EU) in Italien dreht und in Italien dafür Waren und Dienstleistungen einkauft?

In der EU gilt die allgemeine Regel, nach der die MwSt. bei innergemeinschaftlichen Geschäften  im Staat (Wohnsitzort) des Auftraggebers abzuführen ist.

a) Bei Einkauf von Waren
Es gelten die Bestimmungen des innergemeinschaftlichen Warenverkaufs. Wenn ein ausländischer Unternehmer (EU-Auftraggeber), welcher in der EU seinen Wohnsitz hat (z.B. ein deutscher Filmproduzent), Güter in Italien kauft, so erhält er vom italienischen Lieferanten eine Rechnung ohne MwSt. gemäß Art. 41, DL 331 vom 30.08.1993 (innergemeinschaftlicher Erwerb). Auf der Rechnung steht der Vermerk: „non imponibile“ – nicht steuerpflichtig. Der ausländische Unternehmer, welcher die italienische Rechnung bekommt, muss diese in seinem Wohnsitzstaat der dort geltenden MwSt. unterwerfen.

b) Bei Einkauf von Diensteistungen
Es gelten die Bestimmungen des innergemeinschaftlichen Verkehrs von Dienstleistungen. Wenn ein ausländisches Unternehmen (EU-Auftraggeber) in Italien allgemeine Dienstleistungen erwirbt, so erhält es vom italienischen Unternehmen eine Rechnung ohne MwSt.  mit dem Vermerk: „fattura non soggetta Iva“ - gemäß Art. 7ter, DPR 633/1972, auf der  zusätzlich vermerkt ist „reverse charge“ (umgekehrte Steuerschuld), was bedeutet, dass die Pflicht zur Anwendung der MwSt. auf den Auftraggeber in dessen Wohnsitzstaat übergeht.

c) Waren und Dienstleistungen, bei welchen die Berechnung der italienischen MwSt. auch im Fall eines innergemeinschaftlichen Waren- und Dienstleistungsverkehrs anfällt
Die Fälle in denen ein ausländisches Unternehmen, welches Güter und Dienstleistungen in Italien bezieht, eine Rechnung mit italienischer MwSt. bekommt, sind zahlreich.

Das MwSt.-Gesetz zählt z.B. folgende Fälle auf (Art. 7 quater, 7 septies DPR 633/72):

  • Gasthausrechnungen, Hotel, Restaurants, Catering
  • Reisen
  • Mieten von Fahrzeugen (nur teilweise absetzbar)
  • Dienstleistungen betreffend Immobilien und die Instandhaltung derselben
  • Mieten und Leasing
  • Erzieherische und sportliche Leistungen
  • Leistungen bei Messen und Ausstellungen

In genannten Fällen zahlt der ausländische Auftraggeber die italienische MwSt.

4. Kann die ausländische Produktionsfirma (EU) die bezahlte MwSt. zurückfordern?

Eine ausländische Produktionsfirma (EU), welche  in Italien passiver Leistungsempfänger ist, keine italienische Mwst. Nummer besitzt und keinen Fiskalvertreter ernannt hat, kann die Rückvergütung der Mwst. beantragen (Art. 38-bis2 und 38-ter Mwst DPR 633/72). Voraussetzung dafür ist (u.a.), dass die Mwst. nach italienischem Gesetz abzugsfähig ist. Der Antrag ist spätestens innerhalb des 30. September des nachfolgenden Jahres zu stellen. Der Rückforderungsantrag wird bei der eigenen Finanzverwaltung im Herkunftsland eingereicht und wird von dieser auf telematischem Weg dem italienischen Steueramt (Agenzia delle Entrate) weitergeleitet. Die Dauer der Rückforderung hängt erfahrungsgemäß von den einzelnen Staaten ab, zwischen denen der Antrag abgewickelt wird (bei Verfahren zwischen Italien und Deutschland ist in der Regel mit drei bis vier Monaten zu rechnen).

5. Die MwSt. Verrechnung bei Kooperation mit einem italienischen Partner, z.B. Service-Produzenten.

Wenn ein Filmproduzent aus dem EU Raum (EU-Unternehmen) in Italien tätig werden will,  so kann er sich eines in Italien ansässigen Unternehmens bedienen. Der Produzent und der ausführender Produzent (mit Sitz in Italien) schließen dabei einen Vertrag. Der ausführende Produzent („produttore esecutivo“), garantiert die Einhaltung der auf italienischem Staatsgebiet geltenden gesetzlichen Bestimmungen und nimmt die anfallenden Aufwendungen und Rechnungen der Produktion nach handels- und steuerrechtlichen Regeln in seine Bücher auf. In diesem Fall läuft auch die Rückforderung der Mwst. über das in Italien ansässige Partner-Unternehmen.

6. Welches sind - außer der Kooperation mit einem italienischen Service-Produzenten oder dem direkten Einkauf der Leistungen - die Alternativen für die ausländische Produktionsfirma?

Im europäischen Wirtschaftsraum gilt das Prinzip der Freizügigkeit, nach dem sich jeder EU Bürger in einem anderen Staat niederlassen, arbeiten und  steuerlich anmelden kann. Er hat dann die Gesetze des jeweiligen Staates zu beachten. EU-Bürger können also:

a) sich in einem anderen EU Staat direkt identifizieren; z.B. in Italien, indem sie eine italienische MwSt.-Nummer beantragen;
b) einen Steuervertreter ernennen;
c) ein Unternehmen gründen;

Im Falle der Ernennung eines Steuervertreters muss dieser für den Auftrag gebenden Ausländer die MwSt.-Pflichten erfüllen (Ausstellung der Rechnungen, Verbuchung, Zahlung der MwSt., Erstellung und Einreichung der Steuererklärungen). Für die Ernennung eines Fiskalvertreters ist die dafür erforderliche administrative Prozedur zu befolgen (Erteilung eines Mandates, Registrierung beim Steueramt). Der Steuervertreter haftet zusammen mit seinem ausländischen Auftraggeber für die Einhaltung aller gesetzlichen Obliegenheiten in Italien. Aus der Haftungspflicht folgt, dass die Figur des Steuervertreters wenig gebräuchlich ist.

7. Was ist Intrastat und wann muss eine Intrastat Meldung gemacht werden?

Unternehmen, welche in der EU ihren Sitz haben, müssen für die im innergemeinschaftlichen Geschäftsverkehr erworbenen Güter und Dienstleistungen eine zusammenfassende Meldung (=Intrastat) machen. Die Meldung ist je nach Höhe des Umsatzes periodisch, monatlich oder trimestral und sie ist telematisch an das Steueramt abzugeben. Die Intrastatmeldungen haben eine Kontrollfunktion für die Steuerbehörden der Mitgliedsstaaten und dienen auch EU-statistischen Zwecken. Im Falle der Kooperation mit einem italienischen Service-Produzenten (siehe Punkt 5) muss der ausländische Produzent für die einzelnen Einkäufe keine Intrastat Meldung machen.

8. Welcher Unterschied besteht zwischen einem Kassenbeleg („scontrino“) und einer Rechnung?

Die Rechnung (fattura) ist das Dokument, das einen Kauf von Gütern oder Dienstleistungen nachweist und bestätigt. Es müssen folgende Informationen aufgeführt sein: Bei Gewerbetreibenden die Firmen- bzw. Geschäftsbezeichnung, die Anschrift von Käufer und Verkäufer, die Mwst. Nummer, bei  Nicht Gewerbetreibenden Käufern der Name und die Steuernummer. Weiters muß taxativ angeführt werden: die fortlaufende Rechnungsnummer, das Ausstellungsdatum, Beschreibung (Menge, Qualität und Preis) der gekauften Güter und Dienstleistungen, die Steuergrundlage (imponibile), der Steuersatz (aliquota) und die Steuer (imposta).
Der Kassenbeleg ist im  Vergleich zur  Rechnung ein „anonymes“ Dokument (d.h. der Empfänger ist idR. nicht ausgewiesen). Daher ist die Absetzbarkeit für die direkten Steuern nur eingeschränkt gegeben. Weiters ist auf einem Kassenbeleg („scontrino fiscale“) die Mwst. nicht ausgewiesen, somit kann sie auch nicht in Abzug gebracht werden.

9. Gibt es Umstände, unter welchen eine ausländische Produktionsfirma bei Dreharbeiten in Italien eine italienische Betriebsstätte einrichten muss?

Zunächst ist festzuhalten, dass es keine einheitliche Definition gibt, welche sämtliche Aspekte hinsichtlich der  Einkommenssteuer, der Mehrwertsteuer des Arbeitsrechtes organisch und zweifelsfrei regelt.
So definiert der Artikel 162 des ital. Einkommenssteuergesetzes als Betriebsstätte eine feste Geschäftseinrichtung (stabile organizzazione), in der die wirtschaftliche Tätigkeit eines ausländischen Unternehmens, ganz oder teilweise auf italienischem Staatsgebiet, ausgeübt wird. Laut Gesetz handelt es sich bei Zweigniederlassungen, Geschäftsstellen, Büros, Produktionsstätten, Werkstätten und Baustellen um eine feste Geschäftseinrichtung. Diese Definition der festen Geschäftseinrichtung (laut Steuergesetz) wird auf jene Subjekte angewandt, deren Wohnsitzstaaten mit Italien ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen haben. Im Falle von Dreharbeiten ist die italienische Gesetzgebung nicht eindeutig und es empfiehlt sich jeden Fall individuell von einem Steuerberater prüfen zu lassen. Wenn eine Betriebsstätte vorliegt, ist für die in Italien relevanten Geschäftsvorfälle die Buchhaltung zu führen und in Italien aufzubewahren, ebenso sind bei Anstellung von Komparsen, Mitarbeitern, Darstellern, die italienischen arbeitsrechtlichen Bestimmungen einzuhalten. Liegt eine Betriebsstätte im Sinne des Steuergesetzes vor, muss die Einkommenssteuererklärung eingereicht werden. Die Regeln der Besteuerung sind jene für die Kapitalgesellschaften.

 

Stand Dezember 2013. Diese Informationen wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Studio Menghin, www.menghin.com

 
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