Ein Schwenk in die Geschichte

Die Menschen in Südtirol leben und arbeiten in einem ziemlich jungen Land. So, wie es sich uns heute zeigt, existiert Südtirol erst seit 40 Jahren. Seit dem Erlass des zweiten Autonomiestatuts 1972 darf die Südtiroler Landesregierung in vielen Bereichen wie Gesundheitswesen, Handel, Handwerk, öffentliche Sicherheit und Straßenbau unabhängig vom italienischen Staat eigenständig entscheiden. Aus diesem Sonderstatus heraus erwachsen einige wichtige Vorteile für Südtirol als Drehort. Doch davon später mehr.

Prequel: Es war einmal der Mensch

Viele Filmliebhaber erinnern sich an die gleichnamige Kult-Serie aus den späten 1970er Jahren. Obwohl aus Frankreich und im Zeichentrick produziert, hat sie einiges mit Südtirol gemeinsam. Sie erzählt die Geschichte der Menschheit. Und es war einmal ein ganz besonderer Mensch, der die Geschichte des Landes Südtirol erzählt. Post mortem, dafür aber der ganzen Welt: „Ötzi“, der Mann aus dem Eis. 1991 gefunden, ermöglicht er wesentliche Einblicke und Rückschauen in die Vergangenheit  des „Landes im Gebirge“: Etwa 15 v. Chr.  Rom erschließt unter Kaiser Augustus einen kontinuierlichen Handelsweg zwischen Italien und Germanien. Militärstraßen wie die „Via Claudia Augusta“ und frühchristliche Kirchen erinnern uns an die Anfänge des transalpinen Warenaustausches. 500 Jahre später ziehen sich die Römer aus den Alpen zurück. Bajuwarische Stämme rücken aus dem Norden vor und beeinflussen die Kultur in den Haupttälern der Alpensüdseite. Doch es regt sich Widerstand, der sich auch sprachlich äußert. In Seiten- und Hochtälern der Dolomiten hält sich eine eigenständige Sprache – und das bis heute: Ladinisch sprechen noch immer gut 4% der Südtiroler.

History-Telling: Von Grafen, Klöstern und Bilderbuch-Burgen

Seinen Namen hat das Gebiet von den Grafen von Tirol, die das Land ab dem 11. Jahrhundert als Vögte der Bischöfe von Trient und Brixen regierten. Klöster wie Gries, Innichen, Marienberg, Neustift und Sonnenburg und berühmte Burgen und Schlossanlagen wie Burg Taufers, Churburg, Hocheppan, Schloss Runkelstein und Tirol berichten noch heute von der geistlich-kulturellen wie weltlich wohlhabenden Schaffenskraft auf der Südseite der Alpen. Auch sprachlich hat Südtirol immer wieder von sich Reden gemacht. So beispielsweise durch den weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Minnesänger und Politiker Oswald von Wolkenstein (1377 – 1445) aus dem Pustertal. Als schreib- und mitunter auch streitwütiger Ritter zieht er Ende des 14. Jahrhunderts bereits als Knappe von zehn Jahren durch Europa sowie das vordere Asien und hinterlässt eine ganze Reihe historischer Spuren, Gedichte und Minnelieder. 1363 geht die Grafschaft Tirol an die Habsburger Dynastie über. Die folgenden Jahrhunderte sind geprägt von Auseinandersetzungen zwischen weltlichen und kirchlichen Mächten. Im 16. Jahrhundert fallen Ungarn und Böhmen an Österreich und das vergleichsweise kleine Tirol führt aus politischer Sicht in Mitteleuropa ein Schattendasein. Nachdem Österreich Tirol im Zuge der Napoleonischen Kriege kurzzeitig an Bayern abgeben muss, nimmt Österreich es 1813 erneut als Provinz auf.

Komplexes Drehbuch: eine Deutsch-Italienische Fusion

Gut hundert Jahre später, am Ende des 1. Weltkrieges, wird Südtirol  im Rahmen des Friedensvertrags von St. Germain durch die Entente dem italienischen Staat angegliedert. Unter Mussolini beginnt ab 1922 eine für die deutschsprachige Bevölkerung leidvolle faschistische „Italianisierungs-Politik“. Namen von Orten und Personen werden durch – teilweise frei erfundene – italienische Begriffe ersetzt. Deutsch als Unterrichtssprache ist ab sofort verboten. Die deutsche Sprache wird in dieser Zeit in sogenannten Katakombenschulen heimlich unterrichtet, häufig von Laien. 1939 schließen Hitler und Mussolini ein Abkommen. Hiernach verbleibt Südtirol beim italienischen Staat, die Südtiroler erhalten jedoch die Wahl – die sogenannte „Option“ – ins Deutsche Reich auszuwandern. Etwa 75.000 Bürger verlassen daraufhin ihre Heimat – und gelangen vom Regen in die Traufe. Die Zeit bis zum Ende des 2. Weltkrieg hat vor allem in Südtirols Hauptstadt Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind. Junge italienische Architekten sollen ein italienisches Bozen kreieren und bauen ein ganzes Stadtviertel mit Straßenzügen und beeindruckenden Gebäuden im Stile des faschistischen Neoklassizismus. Nach Ende des 2. Weltkrieges ist die Südtirol-Frage weiter ungeklärt. Unter der deutschsprachigen Bevölkerung gibt es ein starkes Bestreben nach Unabhängigkeit vom italienischen Staat. Im Rahmen des „Pariser Abkommens“ einigen sich Österreich und Italien erstmals auf die Gewährung einer Autonomie für Südtirol. 1948 genehmigt die italienische verfassunggebende Nationalversammlung den ersten Autonomiestatuts. Zwar dürfen die nach Deutschland ausgewanderten Südtiroler zurückkehren und die italienische Staatsbürgerschaft annehmen. Aber die Umsetzung des Vertrages bleibt toter Buchstabe. Die wachsende Unzufriedenheit entlädt sich im Juni 1961 in der „Feuernacht“, die von über 40 Anschlägen auf Strommasten und Bahnlinien geprägt ist. Jetzt wird die Welt auf die Lage Südtirols und den Wunsch seiner deutsch- und ladinischsprachigen Bürger nach Selbstverwaltung aufmerksam. Die Causa Südtirol kommt vor die UNO-Vollversammlung.

Die Credits: Einmalig in ganz Europa

1969 ratifizieren Österreich und Italien das sogenannte „Paket“ zum besseren Schutz der Südtiroler, worauf 1972 das zweite Autonomiestatut folgt. Südtirol kann von nun an Gesetze in vielen Bereichen autonom erlassen. Hierzu zählen vor allem der für die Südtiroler Wirtschaft überaus bedeutsame Fremdenverkehr und das Gastgewerbe. Aber auch andere Bereiche wie  Jagd und Fischerei, Messen und Märkte, Kommunikations- und Transportwesen, Landwirtschaft, Kindergärten, Schulbau fallen unter die Autonomie.  Heute hat sich die nördlichste Provinz Italiens zu einer der wohlhabendsten Regionen des ganzen Landes entwickelt. Nicht zuletzt aufgrund ihres reichhaltigen kulturellen und baulichen Erbes, ihrer vielfältigen Natur  und ihrer privilegierten Lage südlich des Alpenhauptkammes bietet Südtirol einzigartige Locations in Europa.

 
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