Fragen & Antworten

1. Welche Papiere brauche ich, um in Südtirol arbeiten zu können?
2. Brauche ich eine Aufenthaltserlaubnis, um in Südtirol zu leben?
3. Muss ich Italienisch sprechen, um in Südtirol arbeiten zu können?
4. Gibt es in Südtirol deutschsprachige Schulen?
5. Kann ich als Ausländer in der Öffentlichen Verwaltung arbeiten?
6. Zahle ich in Italien oder in meinem Herkunftsland Steuern?
7. Muss ich in Südtirol eine Krankenversicherung abschließen?
8. Was passiert mit meinen Rentenbeiträgen?
9. Muss ich meinen PKW und meinen Führerschein umschreiben?
10. Gibt es in Südtirol Kindergeld?


1. Welche Papiere brauche ich, um in Südtirol arbeiten zu können?

EU-Bürgerinnen und -Bürger benötigen in der Privatwirtschaft meist nur eine italienische Steuerkarte. Der sogenannte „codice fiscale“ wird kostenlos von der Steuerbehörde (Agentur für Einnahmen – Agenzia delle Entrate) ausgestellt. Für Stellen in der öffentlichen Verwaltung werden in Südtirol darüber hinaus ein Zweisprachigkeitsnachweis und die Erklärung der Sprachgruppenzugehörigkeit verlangt. Je nach Stelle kann dort auch eine Studientitelanerkennung notwendig sein. Eine Anerkennung von Berufstiteln ist innerhalb der Europäischen Union für reglementierte Berufe nötig. Welche Berufe in Italien darunter fallen, erfahren Sie unter www.politichecomunitarie.it. Nicht-EU-BürgerInnen haben keinen Zugang zu Stellen im öffentlichen Dienst. Für alle anderen Bereiche brauchen sie eine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung.


2. Brauche ich eine Aufenthaltserlaubnis, um in Südtirol zu leben?

Unionsbürgerinnen und -bürger benötigen keine Aufenthaltserlaubnis. Sie können sich bis zu einem Zeitraum von drei Monaten ohne jegliche Formalitäten in Südtirol aufhalten. Wer länger als drei Monate bleibt, hat wie alle Italiener die Pflicht, seinen Wohnsitzwechsel innerhalb von 20 Tagen beim Meldeamt seiner Gemeinde zu registrieren. Dafür wird unter anderem ein Nachweis der Arbeitstätigkeit oder des Studiums verlangt. Zuwanderer ohne Arbeitsverhältnis müssen weiters belegen, dass sie über eine Krankenversicherung und ausreichend Geldmittel für den Aufenthalt verfügen. Familienangehörige von Unionsbürgern, die keine EU-Staatsbürgerschaft haben, müssen nach spätestens drei Monaten bei der Quästur eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Auch alle anderen Drittstaatsangehörigen brauchen eine Aufenthaltserlaubnis. Genauere Informationen dazu.


3. Muss ich Italienisch sprechen, um in Südtirol arbeiten zu können?

In der Privatwirtschaft hängt es vom Jobprofil ab, ob und in welchem Perfektionsgrad die italienische Sprache beherrscht werden muss. Für Stellen im Öffentlichen Dienst sind Italienischkenntnisse dagegen Voraussetzung und müssen in Form einer Zweisprachigkeitsprüfung nachgewiesen werden. Diese wird von einer eigenen Dienststelle der Landesverwaltung organsiert; je nach Ausbildungs- und Jobprofil gibt es dabei vier unterschiedliche Levels.
Beim Lehrpersonal gilt die Zweisprachigkeitspflicht nur für jene, die die Zweitsprache (Deutsch an italienischen Schulen und Italienisch an deutschen Schulen) unterrichten.
In Südtirol geht das Italienischlernen für Deutschsprachige übrigens besonders schnell. Da viele Informationen im öffentlichen Raum in beiden Sprachen aufscheinen, ist das Vokabeltraining ganz natürlicher Teil des Alltags.


4. Gibt es in Südtirol deutschsprachige Schulen?

Im dreisprachigen Südtirol gibt es Schulen für die deutsche, die italienische und die ladinische Sprachgruppe – vom Kindergarten bis zur Oberschule. In der deutschen Schule wird die Zweitsprache Italienisch ab Beginn der Grundschule unterrichtet. Einen mehrsprachigen Unterricht gibt es bisher nur in der ladinischen Schule und in einzelnen Pilotprojekten oder Privatschulen. Viele Eltern nutzen aber auch die Möglichkeit, ihr Kind in einen italienischen Kindergarten bzw. eine italienische Schule einzuschreiben.


5. Kann ich als Ausländer in der Öffentlichen Verwaltung arbeiten?

Stellen im öffentlichen Dienst stehen nur Bürgerinnen und Bürgern mit einer italienischen oder EU-Staatsbürgerschaft offen.
Voraussetzung dafür ist ein Nachweis der Zweisprachigkeit und die Erklärung über die Zugehörigkeit zu bzw. Angliederung an eine Sprachgruppe. Darüber hinaus kann auch eine Anerkennung des Studien- oder Berufstitels notwendig sein.


6. Zahle ich in Italien oder in meinem Herkunftsland Steuern?

Die genaue Antwort hängt vom jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen dem Herkunftsland und Italien ab. Ein wichtiger Indikator ist der Wohnsitz: Wer mehr als 183 Tage pro Jahr in Italien ansässig ist, muss hier in der Regel sein gesamtes, weltweit erzieltes Einkommen versteuern. Für Nicht-Ansässige sind dagegen nur in Italien bezogene Einkünfte zu besteuern.
Die wichtigsten Steuern in Italien sind die Einkommenssteuer Irpef (imposta sul reddito delle persone fisiche), die Körperschaftssteuer IRES (imposta sul reddito delle società) und die regionale Wertschöpfungssteuer Irap (imposta regionale sulle attività produttive).


7. Muss ich in Südtirol eine Krankenversicherung abschließen?

Wer keine Krankenversicherung in seinem Herkunftsland hat, muss sich bei einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten in Italien versichern. Ausländische Staatsbürgerinnen und -bürger, die in Südtirol ihren Wohnsitz haben und hier Sozialbeiträge zahlen, haben das Recht, die Leistungen des staatlichen Gesundheitsdienstes SSN in Anspruch zu nehmen. Voraussetzung dafür ist eine Einschreibung beim lokalen Gesundheitsdienst (ASL – Azienda Sanitaria Locale). Wer kein Anrecht auf eine kostenlose medizinische Grundversorgung hat, muss eine private Krankenversicherung abschließen.


8. Was passiert mit meinen Rentenbeiträgen?

Mit der Zahlung von Rentenbeiträgen an den staatlichen Rentenversicherungsträger INPS entsteht in Italien ein Rentenanspruch. Voraussetzung für die Auszahlung einer Rente ist das Erreichen der vorgeschriebenen Beitragsjahre (derzeit 20 Jahre). Dabei werden aber auch eventuelle Versicherungsjahre in anderen EU-Ländern oder Staaten, mit denen Italien ein bilaterales Abkommen hat, berücksichtigt. Die Höhe der Rente ergibt sich dann aus den tatsächlich in Italien eingezahlten Beiträgen.


9. Muss ich meinen PKW und meinen Führerschein umschreiben?

Für im Ausland zugelassene Kraftfahrzeuge müssen innerhalb von sechs Monaten nach dem Wohnsitzwechsel beim Kraftfahrzeugamt der Provinz Bozen ein italienischer Kraftfahrzeugschein sowie ein italienisches Autokennzeichen beantragt werden. Beim Führerschein haben BürgerInnen der Europäischen Union die Wahl, ob sie das Original weiterführen oder es in einen italienischen Führerschein umschreiben lassen. In jedem Fall gelten die gesetzlichen Bestimmungen für italienische Führerscheine. Für Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger ist die Umschreibung eines Führerscheins nach mehr als einem Jahr Ansässigkeit verpflichtend.


10. Gibt es in Südtirol Kindergeld?

Für Kinder bis zum dritten Lebensjahr erhalten Familien in Südtirol ein monatliches Familiengeld in Höhe von derzeit 100 Euro. UnionsbürgerInnen mit Wohnsitz in Südtirol haben darauf sofort Anspruch; Familien aus Nicht-EU-Ländern müssen bereits fünf Jahre in Südtirol gemeldet sein. In jedem Fall gilt eine Einkommensobergrenze von 80.000 Euro.
Das staatliche Familiengeld können nur Familien mit mindestens drei Kindern und geringem Einkommen in Anspruch nehmen; nach einer Ansässigkeit von fünf Jahren gibt es auch ein einkommensabhängiges Familiengeld der Region Trentino-Südtirol.

 
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