Interview mit Hartwig Weidacher, Geschäftsführer myGEKKO-Ekon GmbH

Vor kurzem fand im TIS innovation park die Fachtagung „Intelligente Lösungen für die Mobilität von morgen“ statt. Betriebliches und kommunales Mobilitätsmanagement, Intelligente Transportsysteme (IST) und Batteriemanagement für Elektromobilität waren die drei Kernthemen dieser Fachtagung. Im Interview verrät uns Hartwig Weidacher, Geschäftsführer MyGEKKO-Ekon GmbH, seine Meinung zu den jüngsten Entwicklungen in der Automobilindustrie.

Ihr Produkt myGEKKO ist an Endkunden adressiert. Was kann myGEKKO und warum wollen Elektromobilhersteller wie BMW mit Ihnen kooperieren?

myGEKKO ist ein Produkt im Bereich der „integralen Gebäude- und Netzregelung“. Wir leben und arbeiten heute in Gebäuden mit kleineren und größeren Hilfsmitteln, die uns das Wohnen und Arbeiten erleichtern. Wir benötigen dafür Wärme, Luft, Licht, Beschattung, Musik, Sicherheit, etc. Das sind Dinge, die mit Energie in Verbindung stehen, aber auch Komfort ist ein zentrales Element.

Wir bieten mit myGEKKO ein Regelkonzept für Gebäude, welches all diese Bereiche direkt und in Abhängigkeit zueinander regelt. Dieses Regelwerk muss nicht von einem Spezialisten programmiert werden, sondern hat eine Benutzeroberfläche, die es Nutzern erlaubt, ihr Wohn- bzw. Arbeitsumfeld selbst zu optimieren, zu beeinflussen und stetig anzupassen.

Ein Display ist per se nicht nachhaltig, aber es ist ein Instrument, das Nutzern einen nachhaltigen und bewussten Umgang mit Ressourcen ermöglicht. Der Spaßfaktor sollte dabei nicht verloren gehen.

BMW macht dies aus myGEKKO-Sicht perfekt. Es macht wenig Sinn, lediglich den Benzinmotor eines PKWs durch einen Elektromotor zu ersetzen. Es bedarf vielmehr gänzlich neuer Nutzungskonzepte. Die Frage ist, müssen wir Autos herstellen, in die man sich reinsetzt, um 800 Kilometer am Stück zu fahren? Nicht unbedingt! Es geht vielmehr darum, die grundlegende Verwendung und Benutzung des PKWs zu überdenken.

Gerade die Kundensicht ist in der Automobilbranche von zentraler Bedeutung. Mit myGEKKO versuchen wir letzteres in Gebäuden umzusetzen. Das Auto wird durch den integrierten Ladevorgang zum Teil des Eigenheims, daher unsere Kooperation mit BMW. Der Automobilhersteller ist an uns herangetreten, weil sich myGEKKO an den Endkonsumenten richtet, aber auch, weil wir schon mit einem ausgereiften Produkt am Markt sind.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Green Mobility?

Wie eben schon geschildert, geht es nicht nur darum, den Benzintank gegen eine Batterie einzutauschen, um das neu entstandene Produkt unter dem Deckmantel „grün“ zu verkaufen. Was dabei rauskäme, wäre die nächste Krise, weil wir aufgrund der Verknappung von Energieverfügbarkeit und –verteilung vor der nächsten großen Herausforderung stünden.

Idee und Konzept hinter BWM sind für mich dagegen wirklich innovativ. Sie setzen viel tiefer an. So werden Verwendungsart und -weise des PKWs selbst hinterfragt. Meiner Meinung nach birgt das aktuelle Problem der Energiespeicherung riesiges Innovationspotenzial. Personennahverkehr kann neu gedacht werden. Konzerne wie BMW haben das Potenzial und die Möglichkeiten diesen Stein ins Rollen zu bringen.

Welches Potenzial hat Südtirol in der Green Mobility?

Ich denke schon, dass Südtirol in diesem Bereich einen großen Beitrag leisten kann. Südtirol kommt zwar nicht als Produktionsstandort für Elektroautos in Frage, wir haben aber einige Automobilzulieferer. E-Mobility-Anforderungen in der Peripherie unterscheiden sich zudem von denen in Ballungszentren, auch hier sehe ich aus der natürlichen Notwendigkeit heraus Potenzial und Handlungsspielraum. Neue Produkte können zudem im Tourismus Anwendung finden und dadurch weiterentwickelt werden.

Die aus vielen kleinen Teams bestehende Unternehmenslandschaft von Südtirol könnte so ganz neue Verwendungs- und Verbindungszwecke zur E-Mobility entwickeln. Eben nicht das Konzept vom Benzintank, vielmehr müssen grundlegend neue Pfade betreten werden. So wie es beispielsweise myGEKKO heute schon macht. Es verbindet das Auto mit dem Gebäude und der Energie.

Weitere Informationen: www.my-gekko.com

 
© 2016 IDM Südtirol - Alto Adige I MwSt. Nr. IT 02521490215 | Ausstattungskapital 5.000.000 €